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Die Schulter ist ein schwieriges Gelenk und neigt
zum Beleidigtsein. Deshalb kann sie nur mit Liebe,
Vorsicht und Rücksicht behandelt werden.

 

 

Die Schulter ist sehr beweglich, weil sie nur über das Schlüsselbein mit dem Stamm verbunden ist. Das Schulterblatt kann deshalb auf dem Brustkorb gleiten und so den Bewegungsspielraum des eigentlichen Schultergelenks erweitern. Die Schulter selbst balanciert zwischen Mobilität und Stabilität. Bei jungen Patienten kann dies zu einer Luxationsneigung führen. Ältere Patienten leiden vor allem an Verschleißerkrankungen an der Rotatorenmanschette und am Knorpel.

 

 

 


 

Eine Schulterbehandlung in der OCM

 

 

Die standardisierte Diagnostik und Behandlung von Schulterbeschwerden hat in den letzten Jahren entscheidende Fortschritte gemacht. Vordergründig gleichartige Beschwerden können in Wirklichkeit sehr unterschiedliche Ursachen haben. Aufgrund der anspruchsvoller gewordenen sportlichen Tätigkeit der Patienten sowie ihrer gesteigerten Aktivität im Alter müssen Ursachen und Auslöser erkannt und entsprechend behandelt werden. Behandlungsziel ist nicht nur die schmerzfreie, sondern auch die funktionierende Schulter.

Schulterprobleme lassen sich, stark vereinfachend, in zwei Kategorien einteilen. In die erste Kategorie fallen unfallbedingte Verletzungen, die besonders sportlich aktive Patienten betreffen. Die zweite Gruppe umfasst abnützungsbedingte oder spontane Erkrankungen der Schulter ohne Unfalleinwirkung.
Das Verständnis für beide Problemkreise hat sich dadurch vertieft, dass biologische Zusammenhänge bei Bewegungen der Schulter und die Bedeutung der einzelnen anatomischen Strukturen für ihre Funktion zunehmend besser erforscht werden.


 

     

Viele Schulterbeschwerden werden nach exakter Einordnung ihrer Ursache mit Vorteil immer noch konservativ, also ohne Operation, behandelt.

 


 

 

Bei den operativen Verfahren ist ein steter Wandel von offenen Operationen hin zu minimal invasiven Techniken eingetreten, die mit Hilfe einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) erfolgen. Dies hat viele Vorteile: Neben der sehr differenzierten Diagnosestellung und exakt darauf abgestimmter Therapie ist der Eingriff weniger belastend für den Patienten und ermöglicht oft eine schnellere Rehabilitation.

 


 

   

Rotatorenmanschettenschaden


Schäden an der Rotatorenmanschette können aufgrund eines Unfalls oder schleichend aufgrund abnützungsbedingter Veränderungen auftreten. Funktionelle Einschränkungen sind die schmerzbedingt eingeschränkte aktive Beweglichkeit und der Kraftverlust beim Heben des Arms. Schlimmer noch ist für viele Patienten aber der Ruhe- und Nachtschmerz. Die Behandlung eines solchen Schadens kann konservativ oder operativ erfolgen. Schäden an der Supraspinatussehne werden bei älteren Patienten oft erstaunlich gut vertragen. Andererseits darf man nicht abwarten, falls sich die Beschwerden beispielsweise mit Physiotherapie nicht bessern, um nicht den optimalen Zeitpunkt einer operativen Wiederherstellung des Sehnenansatzes zu verpassen.

 

 

   

Schulterinstabiltät


Eine Schulterinstabilität kann sich aufgrund einer unfallbedingten Luxation entwickeln, aber auch aufgrund einer chronischen sportlichen Überlastung oder wegen einer unzureichenden Führung durch die Muskulatur.
 

Sobald der Instabilität strukturelle Schäden zugrunde liegen, etwa die Ablösung des Labrums und der Kapsel von der Pfanne (Bankart-Läsion), ist ein operativer Eingriff möglich und sinnvoll. Alleinige Ausweitungen der Kapsel sollten dagegen vorrangig physiotherapeutisch behandelt werden, und bei einer unzureichenden Muskelsteuerung (muscle patterning) macht ein operativer Eingriff keinen Sinn.

 

 

 

 

Omarthrose


Bei einer Arthrose der Schulter hat der vollständige Gelenkersatz das bessere Ergebnis, sobald auch die Pfanne arthrotisch mitverändert ist. Hemiprothesen sind tendenziell nur bei intakter Pfanne sinnvoll. Bei Patienten mit guter Knochenqualität wird eine moderne schaftfreie Prothese verwendet, die das knöcherne Lager schont. Ein Prothesenschaft wird meistens einzementiert. Auch an der Pfanne ist die Zementierung Standard. Inverse Prothesen gewinnen zunehmend an Bedeutung, weil sie auch ohne Rotatorenmanschette funktionieren.

 

Die Implantation einer Schulterprothese ist nur dann erfolgreich, wenn der Operateur versteht, welche Erwartungen der Patient mitbringt. Seine medizinische, psychologische und soziale Gesamtsituation sollte in die Überlegungen einfließen. Deshalb ist eine sorgfältige Anamnese von großer Bedeutung, um zu verstehen, was der Patient erwartet. Ist es in erster Linie Schmerzfreiheit oder sind bestimmte Aktivitäten wichtig wie Überkopftätigkeit, Innenrotation, Außenrotation oder ein bestimmter Sport. Die bisherige Krankengeschichte muss ebenso erfasst werden wie eventuelle Begleiterkrankungen. Die Mitarbeit des Patienten ist besonders in der postoperativen Phase von großer Bedeutung, sodass umgekehrt auch der Patient verstehen muss, was mit der Schulterprothese erreicht werden kann und was nicht.

 

Indikationen für die Implantation einer Schulter-Endoprothese:
 

- Arthrose des Schultergelenks mit Beteiligung der Pfanne
- Schmerzhafte Bewegungs- und Belastungsschwäche
- Ausreichendes Knochenlager zur Implantation einer Pfanne
- Intakte Rotatorenmanschette mit allenfalls kleineren Defekten der Supraspinatussehne
- Intakter M. deltoideus
- Kein Nerven- oder Plexusschaden
- Kein Infekt
- Gute Compliance
 


Hemi- oder Totalprothese?


Lange Zeit war es umstritten, wann an der Schulter einer Hemi- und wann einer Totalprothese der Vorzug zu geben ist. Diese Frage ist heute weitgehend gelöst. Die Antwort hängt im Grunde nur davon ab, ob die Pfanne an dem pathologischen Prozess beteiligt ist, der zur Implantation der Endoprothese führt, ob also die Pfanne ebenfalls arthrotisch verändert ist. Dann sollte auch die Pfanne ersetzt werden, sofern dies technisch möglich ist. Zusätzliche Voraussetzung ist eine weitgehend intakte Rotatorenmanschette, weil sonst eine rasche Lockerung der Pfanne droht. Umgekehrt wird bei konzentrischer Pfannenform und erhaltenem Pfannenknorpel eine Hemiprothese implantiert. Zementierte Pfannen sind gegenwärtig als Standard anzusehen. Ihre Qualität hängt wesentlich von der Zementiertechnik ab, die nur bei Bluttrockenheit und einer guten Impaktierung des Zements zu guten Ergebnissen führt.

 


 

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