OCM in der Presse

In regelmäßigen Interviews und Beiträgen in verschiedenen Medien geben unsere Spezialisten Einblick in ihre Arbeit und hilfreiche Tipps zur Erhaltung ihrer Gesundheit.

22. Februar 2017

Prof. Dr. Niemeyer leitet europaweite Studie zur Knorpelzellentherapie

Spektakuläre neue Therapie: Münchner Orthopädie-Professor leitet europaweite Studie
Das riecht nach einem spektakulären medizinischen Durchbruch – zumindest aber sprechen Ärzte von einer vielversprechenden neuen Behandlungsmethode:
Die Nase soll künftig dabei helfen, kaputte Knie zu reparieren! Genauer gesagt Knorpelzellen aus der Nasenscheidewand. Sie werden im Labor vermehrt und an verletzte Knorpelstellen im Kniegelenk verpflanzt. Erste Patienten sind mit der Methode bereits erfolgreich behandelt worden. Die Ergebnisse waren so beeindruckend, dass das innovative Verfahren jetzt in einer europaweiten, von der Europäischen Union mitfinanzierten Studie weiterführend getestet werden soll. Deren Leitung übernimmt der Münchner Knie- und Knorpelspezialist Professor Dr. Philipp Niemeyer. „Der Nasenknorpel scheint sehr attraktiv zu sein“, berichtet Prof. Niemeyer, der in der Sendlinger Gemeinschaftspraxis OCM praktiziert und an der Uni Freiburg lehrt. Er beruft sich auf die Erkenntnisse von Baseler Wissenschaftlern.
Dort forschen Professor Dr. Ivan Martin, Dr. Marcus Mumme und deren Team bereits seit Jahren an Nasenknorpel und dessen Fähigkeit als eine Art „Reparaturmasse“ für verletzte Gelenke. Inzwischen haben sie die Auswertung einer ersten Versuchsreihe mit zehn Patienten vorgelegt. Alle hatten durch Knieverletzungen Knorpeldefekte von zwei bis sechs Quadratzentimetern erlitten. Bei den acht Männern und zwei Frauen entnahmen die Schweizer Ärzte winzige Stückchen Nasenknorpel von gerade mal sechs Millimetern Durchmesser – der Eingriff wurde unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Binnen vier Wochen wuchs das Knorpelgewebe im Labor auf 30 mal 40 Millimeter an. Anschließend wurde es zurechtgeschnitten – sozusagen maßgeschneidert auf den Knorpeldefekt des jeweiligen Patienten und in sein Kniegelenk eingesetzt. Der Ersatzknorpel heilte durchweg gut ein. Bei Befragungen in den ersten zwei Jahren nach dem Eingriff berichteten die Patienten von einer deutlichen Verbesserung ihrer Beschwerden. Über diese Erfolge haben die Baseler Biomediziner auch in der renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschrift The Lancet berichtet. Nun sollen die Erkenntnisse in einer größeren sogenannten Phase-2- Studie vertieft werden. Daran werden voraussichtlich 108 Patienten unter anderem an Studienzentren in Basel, Freiburg, Mailand und Zagreb teilnehmen. Mit der Behandlung der ersten Teilnehmer solle bereits in der zweiten Jahreshälfte begonnen werden, so Professor Niemeyer im tz-Gespräch. Für den Münchner Knie-Spezialisten birgt das neue Verfahren gleich mehrere Chancen: „Derzeit sind für eine Knorpelzelltransplantation zwei Operationen nötig: In der ersten werden Zellen aus dem Knie des Patienten entnommen und anschließend im Labor vermehrt, und in der zweiten werden sie wieder eingesetzt. Dagegen lässt sich Nasenknorpel unter örtlicher Betäubung gewinnen, man erspart dem Patienten also eine OP.“ Der zweite große Vorteil: „Knorpelzellen aus der Nase scheinen sich im Labor nicht nur zu vermehren, sondern auch bereits zu wachsen – sogar etwas vielversprechender als Knorpelzellen aus dem Knie. Es bilden sich also bereits Vorstufen von Knorpelgewebe, was das Einheilen nach dem Einpflanzen beschleunigt.“ Außerdem gelten Nasenknorpelzellen als robust und wenig anfällig für Entzündungen. 


Sollte sich das neue Verfahren durchsetzen, könnte es zunächst Patienten mit klar begrenzten Knorpelschäden helfen – Voraussetzung ist, dass das Knorpelgewebe um den Defekt herum gesund ist. „Großflächigen Gelenkverschleiß kann man damit allerdings ebenso wenig heilen wie mit einer herkömmlichen Knorpelzelltransplantation“, erläutert Professor Niemeyer. „Wir hoffen aber, dass Nasenknorpel irgendwann zumindest bei frühen Stadien von Arthrose eingesetzt werden kann. Ob das gelingt, müssen jetzt weitere wissenschaftliche Studien und Auswertungen zeigen.“ Doch welche Behandlungsmethoden stehen den Patienten derzeit bei Arthrose im Kniegelenk zur Verfügung?
Im tz-Medizinreport gibt Professor Niemeyer einen Überblick über die wichtigsten gängigen Maßnahmen und Verfahren.
Andreas Beez