OCM in der Presse

In regelmäßigen Interviews und Beiträgen in verschiedenen Medien geben unsere Spezialisten Einblick in ihre Arbeit und hilfreiche Tipps zur Erhaltung ihrer Gesundheit.

07. November 2015

Ski-Chefarzt Dr. Münch erklärt die häufigsten Verletzungen und w

Der Weltcup-Winter hat noch gar nicht richtig begonnen, da kristallisiert sich eine bittere Diagnose heraus: Alle Sicherheits-Offensiven der letzten Jahre haben nichts daran geändert, dass ein unkalkulierbares Verletzungsrisiko mitfährt, wenn sich die Ski-Stars die Packeis-Pisten hinunterstürzen. Knackpunkt Nummer eins bleibt das Knie, wie Anna Fenningers Leidensgeschichte zeigt. Die Weltcup-Königin wird in dieser Saison nicht mehr auf Skiern stehen. Ihr Traum von der Titelverteidigung war bereits im Oktober in Sölden geplatzt. Wochenlang hatte sich Fenninger mit Knieschmerzen durch die Vorbereitung gequält, bevor sie dann bei einem Trainingssturz praktisch einen Totalschaden im angegriffenen Gelenk erlitt. Es gibt fast keinen Athleten, der ohne Knieprobleme durch seine Karriere carvt. „Dazu sind die Kräfte einfach zu groß, die bei den teils extremen Schwungradien, hohen Geschwindigkeiten und insbesondere bei Stürzen auf das Gelenk einwirken“, weiß Dr. Ernst- Otto Münch, leitender Mannschaftsarzt des deutschen Skiverbands (DSV). Die Ski verzeihen kaum einen Fahrfehler, gleichzeitig sind die Bindungen aber so eingestellt, dass sie den immensen Kräften standhalten und erst im äußersten Notfall auslösen. „Dadurch wirken die Hebelkräfte der Ski in erster Linie auf das Knie ein und können dadurch schwere Verletzungen verursachen – vor allem bei Drehbewegungen.“ Ein mechanisches Problem, das selbst Hobby-Skifahrer zu spüren bekommen. „Viele Patienten erzählen mir, dass ihre Bindung nach dem Sturz erst spät oder gar nicht ausgelöst hat“, berichtet der Kniespezialist. Zu den klassischen Verletzungen gehört der Kreuzbandriss. Erst am Freitagoperierte Dr. Münch die deutsche Weltcup- Nachwuchshoffnung Marina Wallner. Das Kreuzband geht aber nicht nur beim Skifahren, sondern auch beim Fußball recht oft kaputt – wie jüngst beim Löwen-Profi Krisztian Simon. Im großen tz-Report erklärt der DSV Chefarzt und Spezialist der Sendlinger OCM-Klinik, welche sieben Knieverletzungen am häufigsten vorkommen. Wie man sie repariert, weiß Dr. Münch aus Erfahrung: Er hat bereits 25 000 Patienten am Knie operiert.
 
1. Kreuzbandriss
 
Die Verletzung: Das vordere Kreuzband ist mit seinen drei bis vier Zentimetern Länge relativ kurz, aber einer der wichtigsten Stabilisatoren im Kniegelenk. „Es reißt ungefähr 20 Mal so häufig wie das hintere Kreuzband“, weiß Dr. Münch. „Das Grundproblem liegt in seiner geringen Elastizitätsreserve von 10 bis 15 Prozent. Das bedeutet: Es kann sich maximal etwa einen halben Zentimeter dehnen, dann reißt es.“
 
Die Behandlung: Eine Operation ist kein Muss, wird aber jüngeren und vor allem sportlich aktiven Patienten empfohlen. Der Grund: Bei der OP wird das defekte Kreuzband durch Sehnengewebe ersetzt. Es verleiht dem Knie wieder vergleichweise viel Stabilität. Das Gewebe wird meist aus dem hinteren Oberschenkel entnommen. „Hier liegen einige Beugesehnen mit derselben Funktion, sodass man eine der Sehnen ohne größere Nachteile entnehmen kann. Wenn möglich, werden auch die Reste des gerissenen Kreuzbandes in die Plastik integriert. Sie beinhalten nämlich Zellstrukturen, die dem Körper als wichtige Bewegungsfühler dienen“, berichtet Dr. Münch.
 
Die OP- und Reha-Zeit: Der gesamte Eingriff dauert ungefähr 45 bis 60 Minuten. Wie bei den allermeisten Bandverletzungen muss der Patient hinterher mehrere Wochen auf Krücken gehen und eine Knieschiene tragen, die den Bewegungsradius des Beines einschränkt. „Bis das Knie wieder voll belastbar ist, vergeht in der Regel ein Jahr“, weiß Münch. Die Crux dabei:„Es dauert sehr lange, bis der Körper dieses schlecht durchblutete Band-Ersatzgewebe biologisch so umbaut und integriert, dass es wieder hundertprozentig stabil wird.“ Wer das Kreuzband zu früh belastet, der riskiert, dass es erneut reißt. „Wir wissen aus Studien, dass die Gefahr von sogenannten Rerupturen zwischen dem neunten und zwölften Monat am größten ist“, sagt Dr. Münch. Diese bittere Erfahrung musste auch Lindsey Vonn machen. Die erfolgreichste Weltcupfahrerin aller Zeiten riss sich im Februar und November 2013 das Kreuzband im rechten Knie.
 
2. Riss der Seitenbänder
 
Die Verletzung: Das Innenband geht wesentlich häufiger kaputt als das Außenband. Es wird oft in Mitleidenschaft gezogen, wenn das Kreuzband reißt. Es ist allerdings mit 10 bis 14 Zentimetern wesentlich länger und hat eine größere Elastizitätsreserve – die Folge: In vielen Fällen kommt der Patient mit einer Dehnung oder einem Teileinriss davon.
 
Die Behandlung: „Wenn sonst kein Schaden im Knie entstanden ist, muss der Patient in der Regel nicht unters Messer sagt Dr. Münch. Stattdessen bekommt er Gehstützen und eines peziellen Kniegelenks-Orthese – das ist eine Schiene aus Kunststoff, die die Beweglichkeit des Beines einschränkt und das Kniegelenk von außen stabilisiert. Der Beugewinkel wird auf 20 bis 70 Grad begrenzt, damit sich stabiles Narbengewebe bilden, das Innenband also wieder zusammenwachsen kann. „Eine totale Ruhigstellung macht man heute bei Bandverletzungen generell nicht mehr, unter anderem deshalb, weil dadurch zu viel Muskelmasse verloren gehen würde und weil durch die Bewegung die Heilungsvorgänge beschleunigt werden“, so Dr. Münch.
 
Die Rehazeit: Der Patient muss etwa zehn bis 14 Tage auf Gehstützen laufen. Die Knieschiene trägt er rund sechs Wochen, nach etwa drei Monaten kann er in aller Regel wieder sporteln
 
3. Miniskusschaden
 
Die Verletzung: Es gibt etliche Variantenvon Schäden am Meniskus.Spezialisten sprechen beispielsweisevon Lappenrissen, Korbhenkelrissenoder Horizontalrissen.All diese Defekte könnennicht nur Schmerzen verursachen,sondern auch Folgeerkrankungenauslösen – vorallem Knorpelschäden,denn die Menisken erfüllenunter anderem die Funktionvon Stoßdämpfern im Gelenk
 
Die Behandlung: „Früher galt die Lehrmeinung:Wenn am Meniskus etwas kaputt ist, muss er raus“, berichtet Dr. Münch. „Dagegen bemühen wir uns heute darum, so viel Meniskus wie möglichzu erhalten.“ In manchen Fällen lässt er sich nähen. „Die Naht kann aber nur dort einheilen,wo der Meniskus auch durchblutet ist. Dies ist lediglich in einem zwei bis drei Millimeter kleinen Bereich der Fall – nämlich an der Verbindungsstelle von Meniskus und Kapsel. “Lässt sich der Meniskus nicht nähen, nimmt der Operateur eine sogenannte Teilentfernung vor – wie bei allen reinen Meniskus-Eingriffen im Rahmen einer Arthroskopie, so nennt man eine Mini-OP, die mit kleinsten Schnitten und Zugängen auskommt.
 
Die OP- und Rehazeit: Ein erfahrener Arztbraucht dafür 20 bis 30 Minuten. Wenn der Meniskus genäht worden ist, muss der Patient für sechs Wochen eine Knieschiene tragen und 10 bis 14 Tage auf Gehstützen laufen. Ansonsten gilt:„In 90 Prozent der Fälle brauchen die Patienten etwa eine Woche lang Gehstützen, dann sind sie wieder alltagstauglich. Nach sechs bis acht Wochen können sie wieder sporteln“,sagt Dr. Münch.
 
4. Tibiakopffraktur

 
Die Verletzung: Sie ist zwar nicht so bekannt wie der Kreuzbandriss, aber in der Regel noch schlimmer –Susanne Riesch war eines der prominenten Opfer. Der Tibiakopf befindet sich am oberen Ende des Unterschenkelknochens.„Auch hier gibt’s verschiedene Verletzungsvarianten,etwa Kantenabbrüche oder Trümmerbrüche.Diese Patienten sind leider in hohem Maße gefährdet, später mal Arthrose zu bekommen.“
 
Die Behandlung: „Die große Herausforderung ist, wiedereine glatte Knochenoberfläche herzustellen“, erläutert Dr. Münch. „Deshalb wird eigentlich immer dann operiert, wenn sich Knochenfragmente – sprich Bruchstücke – verschoben haben. Um sie wieder an ihrer ursprünglichen Stelle zu verankern, werden mitunter Schrauben und Platten eingesetzt.“
 
Die OP- und Rehazeit: In der Regel kann man den Tibiakopf nicht rein arthroskopisch reparieren. Nach dem ein- bis zweistündigen Eingriff, der viel Erfahrung erfordert, darf der Patient drei Monate lang sein Bein nicht belasten, Sport ist in der Regel erst nach einem Jahr wieder uneingeschränkt drin.
 
5. Patellasehnenriss
 
Die Verletzung: „Leider eine langwierige Angelegenheit“, weiß Dr. Münch. Diese Erfahrung musste in der Vergangenheit beispielsweise Ösi-Riesenslalom-Ass Thomas Sykora machen, und auch bei Anna Fenninger ist die Patellasehne durch gewesen. Sie verbindet Kniescheibe und Unterschenkel.
 
Die Behandlung: „Normalerweise näht man die Patellasehne wieder zusammen. Wenn sie allerdings relativ nah am Knochen abgerissen ist, muss man zur Befestigung zusätzlich Bohrkanäle anlegen“, erklärt der Kniespezialist.
 
Die OP- und Rehazeit: Der Eingriff dauert ein bis zwei Stunden. Die Folge: sechs Wochen Gehstützen und Schiene. Ein Jahr Geduld ist erforderlich, bis der Patient wieder unter Vollbelastung sporteln kann.
 
6. Patellaluxation
 
Die Verletzung: Patella ist der lateinische Ausdruck für Kniescheibe – eine Umlenkrolle für den Oberschenkelmuskel, die bei Verdrehungen oder heftigen Stößen und Schlägen aus der Führung springen kann. Dabei reißen häufig die beiden seitlichen Haltebänder an der Knieschiebe.
 
Die Behandlung: „Wenn auch Knorpel beschädigt worden ist, wird eine Patellaluxation in der Regel operiert. Sind nur die Haltebänder der Kniescheibe gerissen, geht es auch ohne OP“, sagt Dr. Münch.
 
Die OP- und Rehazeit: Die Kniescheibe operativ wieder einzurichten, dauert etwa eine Stunde. Sporteln kann man nach drei bis vier Monaten.
 
7. Knorpelverletzung
 
Die Verletzung: „Knorpelgewebe ist sehr weich. Es kann vor allem dann abreißen oder regelrecht abplatzen, wenn sogenannte Scherkräfte darauf einwirken, also bei starken seitlichen Drehbewegungen“, erläutert Dr. Münch.
 
Die Behandlung: „Große Knorpelstücke kann man wieder fixieren,zum Beispiel mit Schrauben oder kleinen Stiften. Wenn viele kleinere Partikel im Gelenk versprengt sind, wird’s schwierig.“ Seit einigen Jahren entwickeln Mediziner Verfahren, um Knorpel in Speziallabors nachzuzüchten. „Dazu werden dem Patienten Knorpelzellen entnommen und etwa einen Monat später die daraus gezüchteten Knorpelstücke wieder eingepflanzt“, erläutert Dr. Münch.
 
Die OP- und Rehazeit: Sehr unterschiedlich, oft etwa eine Stunde – je nach Verfahren. Wenn der Patient gezüchteten Knorpel erhalten hat, darf er sein Bein etwa drei Monate überhaupt nicht belasten. Sport ist erst nach einem Jahr wieder drin.
 
ANDREAS BEEZ