OCM in der Presse

In regelmäßigen Interviews und Beiträgen in verschiedenen Medien geben unsere Spezialisten Einblick in ihre Arbeit und hilfreiche Tipps zur Erhaltung ihrer Gesundheit.

22. Februar 2017

Was gegen Arthrose hilft: Knie- und Knorpelspezialist Prof. Dr.

Die Behandlungsstrategie:
Im Kampf gegen Arthrose geben Kniespezialisten eine goldene Regel aus: Je früher die Verschleißerkrankung behandelt wird, desto größer sind die Chancen, das Gelenk langfristig zu erhalten. Denn wenn die schützende Knorpelschicht erstmal großflächig zerstört ist, dann bleibt oft nur noch das Einsetzen einer Endoprothese als Therapie übrig – so der Fachbegriff für Gelenkersatz aus Metall. Bis heute haben die Mediziner weder ein Mittel noch eine Methode zur Verfügung, um Arthrose zu heilen. Deshalb setzen sie immer stärker darauf, bereits die Ursachen des Knorpelverschleißes zu beseitigen – also bestimmte Grunderkrankungen, die die Entstehung von Arthrose befeuern können. Dazu zählen unter anderem Achsfehlstellungen (O-Beine oder X-Beine) und Verletzungen, etwa Bänderrisse und Knochenbrüche. „Wir wissen beispielsweise, dass bei defekten  Kreuzbändern häufiger Meniskus- und Knorpelschäden auftreten“, erläutert Professor Niemeyer. Ob Kreuzband-Operationen allerdings die Entstehung von Arthrose verhindern können, dafür stehe der wissenschaftliche Beweis noch aus.

Die Verletzungsprophylaxe: 
Um sich vor  Knieverletzungen zu schützen, sind in den letzten Jahren spezielle Übungsprogramme für den Muskel- und Sehnenapparat rund ums Kniegelenk entwickelt worden, sie werden unter anderem von Profi-Fußballern genutzt. „Die Ergebnisse dieser Programme sind vielversprechend. So lässt sich das Risiko eines Kreuzbandrisses um 30 bis 40 Prozent verringern“, weiß Professor Niemeyer.

Die Operationen an den Kreuzbändern:
Wenn die Kreuzbänder gerissen sind, werden sie meist ersetzt – in der Regel durch körpereigenes Sehnengewebe (Fachbegriff Kreuzbandplastik). Diese Operation gilt als sinnvolle Investition in den Gelenkerhalt: „Denn ein  defektes Kreuzband ist ein wichtiger Risikofaktor für Meniskusverletzungen und daraus resultierende Probleme.“

Die Behandlung von Meniskusverletzungen: 
Im Umgang mit den Gelenkpuffern hat sich die Strategie der Spezialisten stark verändert. Während ramponierte Menisken vor einigen Jahren noch relativ großzügig ausgeschnitten und oft sogar komplett entfernt wurden, geht der Trend heute ganz klar zum Erhalt. „Wir versuchen, so wenig Gewebe wie möglich zu entfernen und so viele Risse wie möglich zu nähen“, sagt Prof. Niemeyer, „denn die Menisken haben eine wichtige Dämpferfunktion. Zudem unterstützen sie die Bänder bei der Stabilisierung des Gelenks.“ Vorteile, die früher eher etwas unterschätzt worden sind. Wenn die Menisken nicht zu retten sind, versuchen es manche Ärzte inzwischen auch mit künstlichem Ersatz. „Dabei kommen zwei verschiedene Implantatarten zum Einsatz. Ob diese Ersatzmenisken wirklich effektiv sind, lässt sich aber noch nicht sicher bewerten.“

Die Korrektur von Fehlstellungen der Beinachse: 
Dieses Verfahren (auf Medizinerdeutsch Umstellungsosteotomie genannt) hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr etabliert. Mehrere Tausend solcher Eingriffe nehmen Mediziner pro Jahr in Deutschland vor. Dabei werden – vereinfacht ausgedrückt – X- oder O-Beine begradigt. Das Grundprinzip der OP klingt martialisch: Der Knochen wird praktisch durchgesägt, um ihn in seiner Position zu verändern. Anschließend wird der Knochen in einem um wenige Grad veränderten Winkel mit einer Platte und Schrauben wieder fixiert. Dadurch sollen sich die Druckverhältnisse im Kniegelenk ändern, die Belastung gleichmäßiger verteilt werden. „Schon bei einem leichten O-Bein liegen etwa 80 bis 90 Prozent der Belastung auf der Innenseite des Knies, nur 10 bis 20 Prozent auf der Außenseite“, erläutert Professor Niemeyer. „Nach der Umstellung sollte die Verteilung bei je 50 Prozent liegen.“ Dadurch werden bereits beschädigte Knorpelstellen entlastet und das Fortschreiten der Arthrose gebremst. Mit dem Eingriff lässt sich das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks in vielen Fällen deutlich hinauszögern – nicht selten um ein oder zwei Jahrzehnte. Allerdings muss der Patient dafür auch einen sechs bis sieben Zentimeter langen Hautschnitt, eine etwa einstündige Operation und drei bis vier Tage Klinikaufenthalt in Kauf nehmen. „Aber in den meisten Fällen ist eine Beinachsenkorrektur heute viel besser verträglich als früher“, erläutert Professor Niemeyer. So erlauben es schonende OP-Techniken und vor allem moderne, extrem stabile Implantate, dass der Patient bereits am OP-Tag mit Gehstützen wieder erste Schritte machen kann. Nach zwei bis vier Wochen braucht er keine Krücken mehr, knieschonende Bewegung wie Radeln und Schwimmen ist nach etwa sechs Wochen wieder möglich, belastendere Sportarten wie Joggen oder Skifahren allerdings erst nach mehreren Monaten.

Die Knorpelchirurgie: 
Bei klar begrenzten Knorpelschäden – vor allem dann, wenn sie durch Verletzungen entstanden sind – haben die Mediziner zwei etablierte Behandlungstechniken anzubieten: zum einen die sogenannte Mikrofrakturierung. Dabei fräst der Operateur kleine Löchlein in den Knochen – mit dem Ziel, dass sich eine Art Blutsee oder Blutkuchen bildet. Daraus soll Bindegewebe erwachsen, dass vom Körper zu einer Art Knorpelersatzgewebe umgebaut wird. Es ist auch möglich, körpereigene Knorpelzellen zu entnehmen, sie im Labor zu vermehren und diese an die defekten Stellen zu verpflanzen – Mediziner sprechen von einer Autologen Chondrozyten-Transplantation (ACT). Inzwischen ist das Verfahren so weit verfeinert worden, dass auch größere Knorpelschäden damit repariert werden können. „Es kann aber auch Sinn machen, kleinere Löcher zu behandeln – praktisch um einer Ausbreitung des Knorpelschadens vorzubeugen“, erklärt Professor Niemeyer. Nach wie vor gilt allerdings: Für die Therapie großflächiger Arthrose im gesamten Kniegelenk ist die ACT nicht geeignet.

Die Behandlung mit Hyaluronsäure und Eigenblutkonzentraten: 
Zwar können auch solche Präparate den Knorpel nicht reparieren, aber immerhin die Gleitfähigkeit im Gelenk verbessern und die Schmerzen verbessern. Hyaluronsäure wird ins Kniegelenk gespritzt und soll praktisch wie ein künstliches Schmiermittel wirken, den Knorpel zudem mit Nährstoffen versorgen. Bei  igentblutbehandlungen wird dem Patienten Blut entnommen und zentrifugiert – mit dem Ziel, bestimmte Blutbestandteile mit einer mutmaßlichen Heilwirkung herauszulösen. Sie werden dann in konzentrierter Form an
die erkrankte Stelle im Kniegelenk gespritzt. Viele Patienten berichten über eine Linderung ihrer Beschwerden – zumindest vorübergehend. „Neue Studien zeigen, dass die Eigenbluttherapie gegenüber der Behandlung mit Hyaluronsäure im Vorteil zu sein scheint“, berichtet Professor Niemeyer. Doch beide Therapien richten sich „nur“ gegen die Symptome der Arthrose und nicht gegen ihre Ursache. Ihre Wirkung ist also auf einen bestimmten Zeitraum beziehungsweise auf ein bestimmtes Stadium der Erkrankung begrenzt.